Manchmal hat man eben für eine Woche oder zwei nix zu sagen, das ist auch in Ordnung.
Hier also stattdessen ein Livestream von einem Fischadler in Estland, ausgestrahlt vom Estonian-Latvian joint eagle project. Finde ich persönlich sehr beruhigend.
Manchmal hat man eben für eine Woche oder zwei nix zu sagen, das ist auch in Ordnung.
Hier also stattdessen ein Livestream von einem Fischadler in Estland, ausgestrahlt vom Estonian-Latvian joint eagle project. Finde ich persönlich sehr beruhigend.
Seit ein paar Stunden regnet es hier in Bayreuth.
Trotz generell eingeschränkter Nutzbarkeit meines Balkons aufgrund von permanentem, nachbarlichen Zigarettengestank und dem eben genannten, schlechten Wetter im Speziellen habe ich heute dann doch irgendwann beschlossen, dass die Luft draußen möglicherweise frischer sein könnte und beim Öffnen der Balkontüre zum Lüften meiner Wohnung dann auch gleich eine Überraschung erlebt, die dieser Stadt und der Kategorie “Ich will hier weg” würdig ist.
Als gebürtiger Binnenländer habe ich von Fischen relativ wenig Ahnung. Wie ein Zierfisch sieht das Biest nicht aus, zum Essen ist er zu klein. Meine Hauptvermutung ist deshalb, dass ein Vogel den Fisch aus dem nahe gelegenen Röhrensee gezupft hat, auf meinem Balkon zwischengelandet ist und durch irgendwas so verschreckt wurde, dass er seine Jause vergessen hat.
Oder ihm ist von dem ganzen Zigarettengestank (3 von 5 direkten Nachbarn rauchen, also steckt sich etwa alle 15-20 min einer eine Kippe an), Bass aus billigen Reflexboxen (große Fenster in billigen Holzrahmen transportieren ihre Resonanzfrequenz in die nächsten Stockwerke weiter) und Herumgetrampel von der Nachbarin oberhalb (weil Staubsaugen am Sonntag so viel Spaß macht) einfach der Appetit vergangen.
Solange er noch nicht stinkt, lasse ich ihn einfach mal liegen, vielleicht wird er ja noch abgeholt.
Jetzt ist schon wieder was passiert. Und ja, ich habe drüber geschlafen und muss mich noch immer drüber aufregen.
Aber erst mal zum Anfang: Letztes Jahr im Februar habe ich meinen Stromanbieter gewechselt, was sich als guter Zug erwiesen hat, weil im März dann ein Tsunami am anderen Ende der Welt die deutsche Atomwirtschaft im Sinne von “Wir müssen ja was tun!” schön auf den Kopf gestellt hat. Nicht, dass der Verbraucher davon was gemerkt hat – im Gegenteil, die Preise sind sogar gefallen – aber ich konnte ein bisschen mit meinem 100% Ökostrom protzen und hab mich für Jahr oder so diesbezüglich wichtig und richtig gefühlt. Bis dann am Samstag ein Brief von den Stadtwerken Pforzheim in meinem Briefkasten lag, der in etwa so aussah wie angehängt und dessen Körper ich hier mal kurz transkribiere, damit Google das auch findet, quasi als Dienst an meinen Mitkonsumenten:
Ihre Vorauszahlungsanforderung ...der Fehlerteufel hatte (sic) sich eingeschlichen Sehr geehrter Herr <Popanz>, leider ist es beim Versand der Vorauszahlungsanforderungen von stromistbillig.de durch einen vereinzelt auftretenden technischen Fehler unseres Output-Managements zur Übermittlung Ihrer Bankdaten an einen Dritten gekommen. Der technische Fehler wurde in der Zwischenzeit behoben. Der Empfänger Ihrer Daten ist uns namentlich bekannt. Wir haben diesen umgehend aufgefordert (sic) die Vorauszahlungsaufforderung an uns zurückzusenden. Nach § 42a BDSG haben wir die für uns zuständige Aufsichtsbehörde eingeschaltet. Wir möchten uns mit diesem Schreiben hierfür bei Ihnen entschuldigen und übersenden Ihnen Ihre Vorauszahlungsanforderung. Zu Ihrem Schutz empfehlen wir Ihnen (sic) Ihre Kontoauszüge regelmäßig durchzusehen und sich im Zweifelsfall an die SWP bzw. stromistbillig.de zu wenden. Für Ihre Mühen und auch für Ihr Verständnis übersenden wir Ihnen anbei eine kleine Aufmerksamkeit und bitten Sie noch einmal um Entschuldigung. Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne unter den oben genannter Kontaktdaten zur Verfügung. Freundliche Grüße aus Pforzheim Ihr stromistbillig.de-Team
Auf gut Deutsch hat also wohl wer in Pforzheim gesoffen (inhaltlose Unterstellung) und am Montag Morgen den richtigen Brief ins falsche Kuvert (oder anders rum) gesteckt. Regel Nr. 1 bei solchen faux pas ist natürlich, das ganze auf die IT zu schieben, was hier natürlich makellos umgesetzt wurde. Mein Problem mit der Geschichte ist folgendes: Im beigefügten Schreiben kommen mehrere Fehler in Satz und Syntax vor, die bei Massenbriefen in der Regel nicht auftreten, weil sie zu oft von mehreren Leuten korrekturgelesen werden. Wir haben:
Also kann ich mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass ich der einzige bin, der diesen Brief erhalten hat. IT-Probleme funktionieren anders: Entweder, es erwischt keinen, jeden, oder zumindest genug, um dafür zu sorgen, dass die Briefe makellos sind. Bei Unternehmen dieser Größe ist davon auszugehen, dass eine SQL-basierte Datenbank vorhanden ist, die mit dynamischen Verknüpfungen Abfragen durch ein Textverarbeitungsprogramm beantwortet, das dann die Massenbriefe ausspuckt, wenn mal wieder eine Rechnung fällig ist. Was ist wahrscheinlicher: Dass Access mal zufällig komischen Scheiß macht, oder dass jemand drei statt zwei Seiten aus dem Drucker verschickt?
Nächster Punkt: Derartige Fehlerchen passieren dann scheinbar doch oft genug, dass sich die SWP bei der Post eine “Portocard individuell” bestellt haben, die neben einem pseudoinspirierenden Spruch auch noch eine 0,55 € Briefmarke “als kleine Aufmerksamkeit” enthält. Wahrscheinlich, damit ich mich bei ihnen gratis für die Briefmarke bedanken kann, was im Kontrast zu meiner beigefügten Stromrechnung über 450 € einen effektiven Preisnachlass von über einem Promille bedeutet.
Gegenvorschlag: Ich behalte mir die Briefmarke und schreibe stattdessen einen Artikel in meinem Blog. Und darin befindet sich dann ein kleiner Math-rant über den selten dummen Spruch neben der selten dummen Briefmarke in dem Schreiben, das mich um Entschuldigung bittet darum, dass meine verdammten Bankdaten jetzt irgendwo sein könnten, welcher da lautet:
"Stark ist, wer keine Fehlen macht. Stärker ist, wer aus seinen Fehlern lernt." Es gilt: stärker > stark bzw. stark + q > stark Der Spruch definiert den Zugewinn von q als die Eigenschaft, aus seinen Fehlern p zu lernen. Also ist q = g(p) mit p ~ q und p > q Also gilt, wenn du Fehler machst, aber nicht aus deinen Fehlern lernst: stark + h(p) = stark Wir extrapolieren zum Grenzwert: lim(p->unendlich) stark + q = unendlich (Wer aus seinen unendlichen Fehlern lernt ist unendlich stark) lim(p->unendlich) stark = stark (Wer keine Fehler macht, ist bei unendlich Fehlern als h(p) immer noch stark) soweit stimmt die Annahme. Da wir jedoch annehmen müssen, dass auch starke Leute an ihren Fehlern lernen, gilt: lim(p->unendlich) stark + f(p) = unendlich [für f(p) für starke Leute ähnlich g(p) = q für stärkere Leute] Am Grenzwert gilt stark + q > stark + f(p) da q = unendlich. Wobei aber immer noch gelten muss, dass stärker > stark bzw. stark + q > stark + f(p), was nicht der Fall ist, da lim(p->unendlich) stark + q = lim(p->unendlich) stark + f(p) = unendlich also ist die genannte Aussage falsch unter den genannten Annahmen. oder ausgeschrieben: Irgendwann erreichst du einen Punkt, an dem du aus deinen Fehlern nicht mehr lernst und genau so "stark" bist wie jemand, der es gleich richtig gemacht hat und genauso noch am Lernen ist. Oder schon vorher gelernt hat. Das war gerade Grenzwert - Entkräften ist einfach, nächstes Mal komme Schnittmenge... (das ist wahrscheinlich gerade großer Blödsinn gewesen; in einem Semester hab ich nochmal Calculus, da werde ich das dann still und heimlich löschen, sobald ich weiß, weshalb...)
Um also mein Erlebnis mit den Stadtwerken Pforzheim, stromistbillig.de (oder eben jetzt stromistgrün.de) mit den Worten von Gene Wilder zu beschreiben:
stromistbillig.de: 93% penetration, 6% lubrication, 4% ejaculation and 2% rape.
Oder graphisch aufbereitet:

Seit die Energiemärkte liberalisiert wurden, gibt es so genannte Energiebroker, deren einzige Aufgabe darin besteht, Strom an den Mann zu bringen. Die Leute sitzen in einem Büro und haben einen Computer, ein Telefon und eine Kaffeemaschine, während der Strom nach wie vor aus der Steckdose kommt. Diese Aufgabe übernehmen in meinem Fall die Stadtwerde Pforzheim, sie (besser: ich) zahlen eine Netzgebühr, während der Broker so und so viele Kilowattstunden Strom bei verschiedenen Kraftwerken einkauft und an den Kunden zu bringen versucht. Das ist zu 100% Dienstleistung und “sich für die Connection” bezahlen lassen. Also eben Brokering und Marketing.
Wenn jetzt aber jemand, der telefonieren, Kaffee trinken und Rechnungen schreiben muss, nicht richtig Rechnungen schreiben kann, dann hat er in meinen Augen einen entscheidenden Teil seiner Existenzberechtigung verloren, was der genannten Person wohl bewusst war, weil sie in einer katzenartigen Feigheit Eleganz von der Nennung ihres Namens abgesehen hat.
Zweitens, und das ist auch der Grund, warum ich den “Stark ist …”-Spruch so zum kotzen finde, lässt die Grundhaltung dieser Zunft ihren Kunden gegenüber ziemlich zu wünschen übrig. Der Spruch selbst und die Briefmarke daneben sind unwichtig und inhaltslos, auch, wenn sie den Wert meiner Kontodaten ziemlich genau auf 0,55 € beziffern, was dann doch etwas wenig ist aber vermutlich dennoch mehr, als tatsächlich an Schaden verursacht wurde. Trotzdem ist das in etwa so, wie wenn dir ein Homo sagt, dass er dich nicht attraktiv findet. Es kann dir egal sein, aber irgendwie…
Jedenfalls zeigt der Spruch, für wie dämlich und manipulierbar man gehalten wird. Hauptsache scheint nämlich zu sein, dass etwas gut klingt und nicht, dass etwas wahr ist oder Sinn ergibt. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Ökostrom-Paket:
100% meines Stroms stammen aus guter, österreichischer Wasserkraft, ich bin also, bis auf das bisschen Plastik und das Benzin für die 5000 km Auto + Motorrad pro Jahr ein CO2-neutraler Mensch. Bis zu dem Moment, wo man liest, dass das in Wirklichkeit keine Kraftwerke, sondern Puffer für günstigen Strom aus dem Ausland sind, die Herrn und Frau Maiers Atomstrom (wird ja verbraucht, um das Wasser den Berg hoch zu pumpen, ist danach also weg und demnach nicht anzuführen) zu sauberer Wasserkraft machen. Versteht mich nicht falsch: Wenn ich die Wahl zu einem Paket aus 100% Atomstrom hätte, dann würde ich sie in Anspruch nehmen, weil ein Atomkraftwerk nun mal keinen Schornstein hat, der Klimawandel aber ohne nicht wirklich funktioniert. Es wird aber immer so getan, als ob der Konsument eh keine Ahnung hat und es wichtiger ist, dass etwas attraktiv klingt, während die Große Entscheidung sowieso durch die Politik getroffen wird. Bullshit. Soll euch die Schlammlawine eines abgeschmolzenen Gletschers in eurem Prius begraben, ihr verdammten Blender, Heuchler und Lügner. Politik im demokratischen Prozess ist ein verdautes Konstrukt dessen, was ihr den Leuten 0-6 Jahre vorher erzählt habt, weil der Typische Hans nun mal blöd genug ist für euer Marketing und eure Scheinwahrheiten in die Urne wirft.
Glücklicherweise wird der Hans langsam schlau. Gebt mir also eine ernsthafte, bindende, objektive Wahl. Ich habe die Form von Luxusexistenz erreicht, in der ich es mir erlauben kann, Vorgänge in meiner Versorgung mit Konsumgütern, die nicht mit meinem moralischen Code in Einklang stehen, umgehen zu können, ohne dabei an Lebensqualität zu verlieren. Respektiert mich, und zwar nicht mich, weil ich mich gerade beschwere, sondern jeden, indem ihr sämtliche Vorgänge offen als Download zur Verfügung stellt. Aber das wird nicht passieren, weil Transparenz bedeutet, dass man einen Eindruck gewinnt dafür, wie wenig es eigentlich braucht, um mit einem Gut zu handeln und auf Kosten der Konsumentensau dabei Geld zu verdienen.
Als angemessenes Schlusswort von Adrian zu den Stadtwerken Pforzheim: Ich respektiere das Schreiben, das Eingeständnis und die Entschuldigung (und wage es gar nicht zu vermuten, wie oft ich diesen Brief von anderen nicht bekommen habe), wobei ich jedoch glaube, dass es eine Rechtsübertretung gewesen wäre, mich nicht zu informieren, also meh. Fehler passieren, das stimmt, aber sie kosten meistens mehr als 55 Cent. Lesen Sie meinen Blog und machen Sie sich ein Bild von meinem Gemütszustand: Ich bin die Art von Mensch, die die Datenverbindung ihres Telefons über einen privaten Server tunnelt, weil ich Angst vor MITM-Angriffen habe und im Zweifelsfall Motorrad und/oder Landstraße fährt, weil ich noch immer fest davon überzeugt bin, dass die Kameras neben den Autobahnschildern eine automatische Nummernschilderkennung (und natürlich Speicherung) haben und es keinen etwas angeht, wann ich wo gewesen bin. Und Sie geben meine Bankverbindung weiter.
Nicht okay.
(Habe einen meiner Uhrmacherschraubenzieher in diese Innendreiecksschraube gehämmert und erfolgreich ausgedreht, ohne dabei etwas zu zerstören. Alternative wäre gewesen, die Maus wegen leichter Verdreckung wegzuwerfen – wäre schade drum gewesen. Früher war alles besser, da haben die Leute noch Torx-Schrauben benutzt…)
Ich habe leider die Tendenz, mir selbst gerne ein wenig leid zu tun, meistens dann, wenn ich mal wieder mal an meine Grenzen stoße und das Gefühl habe, dass die Reinheit des Gedankens ja eigentlich kein Scheitern zuließe und der bloße (wenn auch erfolglose) Versuch, die Welt zu verbessern, ja auch gewürdigt werden sollte. Das ist ein recht üblicher Trend in Mitteleuropa, der mit der Entstehung des “kleinen Mannes” im 20. Jahrhundert als geistiges Destillat der Mitte-Links-Politik zur Krönung getrieben wurde und für gewöhnlich darin endet, dass sich nach mehreren Runden gegenseitiger Reflexion der Standpunkte jeder einzelne Diskussionspartner, unabhängig von Herkunft, Glaube und Automarke, gefickt vorkommt, weil Hausfrauen und Automechaniker nun mal alles wollen und zwar jetzt und umsonst.
Also versuche ich, es auf der Ebene zwischen Ich und Über-Ich gar nicht erst so weit kommen zu lassen und mich hier und da von der grausamen Realität abzulenken, die da heißt: Subjektive Leistung ist irrelevant und es gibt keine neutralen Kritiker. Egal – genug geschwafelt. Manchmal hat man nämlich auch Glück, besonders dann, wenn man wenig (nicht nichts!) dafür tun musste:
Seit meinem Auszug aus Hotel Mutti vor gut acht Jahren habe ich einige Sachen vermisst. Kochen kann man lernen, dass Wäsche waschen Geld kostet auch, aber händisch Geschirr spülen, da bin ich mir immer so vorgekommen wie ein unzivilisierter Nege… Buschmann mit seiner Flasche Coca Cola. Außerdem ist es eine relativ anerkannte Tatsache, dass die Geschirrspülmaschine den Menschen mittlerweile dahingehend übertroffen hat, dass sie mit den gleichen oder weniger Ressoucen ein objektiv besseres Ergebnis liefert.
Also habe ich geistig um 2005 herum den Beginn meiner offiziellen Erwachsenheit an den Besitz einer Geschirrspülmaschine gekoppelt in dem Glauben, ich würde von heute auf morgen (<sarkasmus>wie schon so oft zuvor</sarkasmus>) im Zuge der Betretung eines neuen Lebensabschnittes auch ein wenig an Reife gewinnen. Natürlich weit gefehlt: Wer es noch nicht begriffen hat, ja, ich habe endlich eine Spülmaschine, und ich fühle mich genau gleich wie gestern. Naja, nicht genau gleich, aber dazu komme ich später. Erst mal zum Beginn der Anekdote:
Die Geschichte kompakt lautet so, dass mein Bruder mich vor kurzem um Rat bezüglich eines billigen, zur Textverarbeitung fähigen Computers gefragt hat, weil der Seinige langsam nicht mehr will und seine Diplomarbeit vor der Türe steht. Ich unterstelle gerne Hintergedanken, in diesem Fall den, dass er möglicherweise davon ausgegangen ist, dass ich noch einen alter Rechner besitze (was natürlich der Fall war), den ich ihm dann natürlich auch sofort angeboten habe (Familie kann man sich nicht aussuchen, da kann man auch mal nett sein).
Ich musste also einen Midi-Tower von Bayreuth nach Innsbruck verschicken und dazu eine passende Verpackung auftreiben. Das ist weniger trivial, als es sich anhört, aber letztendlich habe ich dann bei uns auf der Arbeit eine mehr oder weniger passende Kiste gefunden. Auf der Suche bin ich jedoch auch an die zentrale Recycle-Müll-Sammelstelle in der FAN-B gereist (natürlich am Tag der Abholung, nach der Abholung) und habe dabei eine Anzeige am relativ nahe platzierten, schwarzen Brett gesehen, welche da lautete: Kauf dir eine gebrauchte Geschirrspülmaschine mit wenig Platz drin für viel Geld. Dementsprechend viel versprechend war auch kein einziges Abrisskärtchen abgerissen und ich selbst hab mir gedacht: “Okay!”, und am selben Abend hatte ich der Gerät dann von 120€ (VB) auf 90€ gedrückt von der Türe stehen mit genug Zeit, um auch noch die zum Anschluss nötigen Teile und bei der Gelegenheit auch gleich neue Armaturen (die alten tropfen, weil das gute Bayreuther Wasser Messing so stark korrodiert, dass im Warmwasseranschluss die Halterung der Quetschdichtung zerstört war) vom Obi zu holen.
Also ja, wenn das mit der Promotion nichts wird, dann werde ich Klempner, oder eben “Sanitärinstallateur” auf Neusprech. Hier ein Bild meiner neuen, grandiosen Lösung für mehr Faulheit.
Im Großen und Ganzen hat mich diese Aktion also relativ viel Fahrradarbeit (~15 km), ein bisschen Geld und einen kaputten Rücken gekostet. Außerdem hat sie dazu geführt, dass ich mich mit manchen meiner Kollegen unterhalten habe, erst natürlich über Geschirrspüler, dann Dinge, die man wirklich braucht, dann Dinge, die man überhaupt nicht braucht, dann Chef, dann Geschlechtskrankheiten, dann Krankheiten generell, dann Allergien und dann Mittel dagegen. Und weil ich mir ja gestern schon für teuer Geld 12 Teller gekauft habe (Spülmaschine bringt recht wenig, wenn man bloß 4 Teller hat…), hab ich mir gedacht, ich kann jetzt, wo ich schon im Kaufrausch bin, auch mal Geld für Pseudoephedrin-haltige Antihistaminika ausgeben, wenn denn schon jeder sagt, dass das Zeug die Bombe sei. Ich bin nämlich die komische Form von Allergiker, die der festen Überzeugung war, dass der Körper schon irgendwann einen Übergang von IgE zu IgG durchführt, wenn man die roten Augen denn lange genug ignoriert. Fehler.
Ich habe also heute gegen 11:00 Uhr eine Tablette Reaktin Duo eingeworfen und etwa 20 Minuten später erst mal tief Luft geholt, weil ich scheinbar Asthmatiker bin und langsam wieder an mein originales Lungenvolumen herankomme. Der Effekt war so schnell und stark spürbar, dass ich in der genannten Zeitspanne auch einen Grund dafür gefunden habe, warum ich seit Ende März nicht mehr als 10 km/h joggen kann, obwohl ich 2 Wochen vorher 10 km mit 12 km/h gelaufen bin. Meine chronische Müdigkeit ist weg (weshalb ich gerade einen Blogartikel über Spülmaschinen und Allergien schreibe…), ich sehe scharf, meine Nase ist offen. Und ich bin ein wenig aufgeputscht, was zu erwarten ist als “Nebenwirkung”. Jetzt leider die schlechte Nachricht: Alles, was Ephedrin oder Stereoisomere davon enthält, ist relativ genau beobachtet, weil man daraus ziemlich easy Methamphetamin machen kann. Also kostet eine 6er Packung von dem Zeug 5,99€ in der Apotheke, weil 50% der Kosten Verpackung und mehr als 750 mg Pseudoephedrin pro Verkaufseinheit illegal sind.
Aber man wäre ja nicht Biochemiker, wenn man nicht Zugriff auf Wikipedia hätte… Moment…
Also ist Pseudoephedrin ein Isomer der Ephedrine, und das älteste beschriebene kommt aus Ephedra, weshalb der Stoff überhaupt so heißt (Der geneigte Leser kann etwa 4 Semester Chemiestudium emulieren, indem er folgendes begreift: Stoffe, die auf -in enden, sind Extrakte aus Lebewesen, meist Pflanzen, oder einfache Derivate davon).
Den Strauch nehmen die Chinesen seit Ewigkeiten dazu her, um Asthma, Allergien und fiebrig verstopfte Nasen zu kurieren. Einziger Nachteil ist: Das Zeug macht hellwach, ist ein Sympathomimetikum (der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems und mehr so am Stress-Ende, also gefäßerweiternd, blutdrucksteigernd, Herzfrequenz geht auch hoch, ihr wisst, wovon ich rede…) und Appetitzügler, kann also naturgemäß missbraucht werden. Und da simma wieder: Drogööön!
Ich habe eine relativ einfache Haltung zu Drogen in meinem Kopf: NoGo, wenn’s nicht schon 10 Generationen in Benutzung war (Pflanzen, die in der Naturheilkunde vorkommen, sind da relativ gut unterwegs) und absolutes nein, wenn man davon süchtig werden kann. Ich hab keine Lust, noch mal mit Rauchen aufzuhören. Ephedrine haben diesbezüglich glücklicherweise ein sehr, sehr geringes Schadenspotential. Also habe ich versucht, mir gleich einen Monatsvorrat von dem Zeug anzulegen, mit dem Resultat, dass ich folgende Mail als Antwort erhalten habe (Auszug):
Sehr geehrter Herr <Popanz>, bei der Bearbeitung Ihrer Bestellung ist uns aufgefallen, dass Sie von dem Präparat Reactine Duo die Menge von 6 Packungen bestellt haben. Dieses Produkt fällt seit dem 01.05.2011 ab einer Abgabemenge von 2 Packungen unter die Verschreibungspflicht. Daher überschreitet Ihre Bestellung die für eine Person gesetzlich zugelassene haushaltsübliche Abgabemenge. Daher möchten wir Sie bitten, uns kurz per eMail mitzuteilen, für welche Personenzahl diese Bestellung bestimmt ist. (...)
Was ich also getan habe, um Gefatter Staat zu entkommen, der meint, mir (als Teil der Allgemeinheit) etwas Gutes tun zu müssen, indem er meine Medizin beschränkt, besteuert und präkriminalisiert ist folgendes:
Ich bestelle mir stattdessen etwas von Leuten, die dasselbe herstellen, aber mit anderen Intentionen. Nämlich Bodybuilder, die das Zeug (zusammen mit Coffein und Aspirin) essen, um Fett zu verlieren, ohne dabei Muskelmasse abzubauen. Und da bin ich jetzt tatsächlich genau da gelandet, wo ich eigentlich nie hin wollte – im Lifestyle-Bereich, mit Leuten, denen ihre Gesundheit weniger bedeutet als ihre Ästhetik. Aber egal, solange die herstellende Firma entsprechende Qualitätsnachweise erbringt. Nicht zu vergessen: Sobald der Frühsommer vorbei ist, kann ich damit aufhören. Ich befinde mich dabei als Käufer und Besitzer (noch) im legalen Raum, habe dasselbe Resultat, das von 90 Tabletten Reaktin zu erwarten ist, bin mit Coffein versorgt (Tasse Kaffee kostet 30 Cent bei uns) und habe zusätzlich den “Trucker’s Finest”-Effekt, den man nach drei Jahren doktorarbeitlicher Demotivation durchaus zu schätzen wissen lernt. Für ein Drittel des Preises.
Also ja: Keiner meiner Großeltern hatte je Allergien. Mein Vater war der Erste mit leichtem Heuschnupfen. Mein jüngerer Bruder hat diagnostiziertes Asthma und Neurodermitis und den ganzen Scheiß drum herum, jetzt fang ich halt auch an. Da gibt’s wunderschöne Studien dazu, wie die Menge an Asphalt pro Gesamtfläche um ein Kind herum mit der Häufigkeit von solchen Erkrankungen korreliert (finde gerade keine Quellen) und wie bestimmte Plastiksorten genug Phthalate und Bisthenol-A freisetzen, um das ganze androgene endokrinologische System lahmzulegen. Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, Verfettung, Androgynisierung, Thylakoide Unterfunktion und die damit einhergehende Antrieblosigkeit, das betrachte ich alles als eine Form von Zivilisationskrankheit, und ich habe als Folge dessen auch gewisse Ansprüche an mich selbst: Sollte ich einmal Nachwuchs in die Welt setzen, dann wird selbiger sein erstes Lebensjahr und hoffentlich mehr auf einer Alm verbringen (den Winter natürlich nicht), und wenn ich dazu selber die Rindviecher herumtreiben muss.
Das ist übrigens einer der Hauptgründe, warum ich gerade nebenbei Informatik studiere: Wenn alles schön abstrakt ist, dann kann man auch fernab vom Plastik arbeiten. Es lebe die Zivilisation…
Also hab ich’s endlich geschafft – ich hab am Wochenende meine erste wissenschaftliche Publikation (als Erstautor) eingereicht und damit die Menschheit, sollte das Paper akzeptiert werden, ein ganz klein bisschen schlauer gemacht. Und weil das ganze scheinbar zu schön geklungen hat, haben sich Chef und einer meiner Mitarbeiter (“#2″) noch schnell was einfallen lassen, um zu zeigen, dass sie machen können, was sie wollen, weil du dich als Doktorand im dritten Jahr nämlich eh so ausgeliefert fühlst, dass dir alles egal ist und du nur noch weg willst, und zwar mit Titel, sonst wäre ja die ganze Zeit umsonst gewesen.
Was genau passiert ist will ich vor der Urkundenverleihung deshalb nicht sooo publik erzählen; sagen wir mal so, dass es möglicherweise mit der Zusammensetzung der Autorenliste zu tun hat, grobes wissenschaftliches (und leider dennoch übliches) Fehlverhalten darstellt und gerade in Bayreuth ein saudummer Zug ist. Und dass ich, wenn die Dinge hart auf hart kommen, trotzdem besser da stehe als man es mich glauben lassen will, dafür habe ich gesorgt, aber jetzt genug, hab schon viel zu viel erzählt
.
Tatsache ist also, dass am 31.3. eingereicht wurde und ich am 1. April erst mal den ganzen Tag weinen musste, weil der surprise buttsex von Chef und #2 mal wieder meinen Glauben an die Menschheit zerstört hat. Ein Glück, dass das Internet in solchen Fällen immer ein paar aufmunternde Worte parat hat. Als ich wieder sitzen konnte habe ich deshalb dieses Zitat von William Gibson ausgegraben (Lese deswegen gerade Neuromancer, das ich bis jetzt sehr empfehlen kann, das Buch hat meiner Info nach Cyberpunk definiert):
Mittlerweile sehe ich wieder alles weniger rot und mehr zynisch, weshalb ich beschlossen habe, ich feiere erst mal den 1. April nach. Dieses Jahr habe ich mir gedacht, ich pflanze drei Tüten Käferbohnen (110 Stück oder so) entlang des Maschendrahtzauns in unserem Innenhof, weil es da immer ziemlich trist ist und sich der Hausmeister nicht wirklich kümmert – ist halt ein Stück “Rasen” (mehr Moos, das im Juni zu Gras wird und im August zu undefinierter, trockener, brauner Biomasse) über der Tiefgarage, mit dem sonst keiner was anzufangen weiß. Die Erde ist wohl stickstofffrei, also sind Leguminosen genau das Richtige, außerdem ranken sie sich hoffentlich in den Zaun hinein, sodass derjenige, der sie entfernen will, für seine schlechten Ideen wenigstens einen kaputten Rücken kriegt. Zu guter Letzt blühen sie schön und sind einjährig, da brauche ich kein schlechtes Gewissen haben bezüglich Besitzstörung oder so.
Aber es wäre nicht Bayreuth hier, wenn nicht gleich einer meiner Mitbewohner neben mir gestanden wäre um zu fragen, ob ich denn “schon für Ostern übe”.
“Sie sehen doch, dass ich hier pikiere, okay, ich weiß ich mach’s mit einem Pinsel,” (habe auf die Schnelle nichts besseres gefunden…) “aber das hier sind eindeutig Bohnen und keine Eier…”
“Ja, ich wollte ja eigentlich nur schauen ob Sie eh keine Fressköder auslegen, weil am Wochenende sind am Röhrensee schon wieder zwei Hunde an Rattengift gestorben.”
“Dabei liegt da gar nicht so viel Scheiße rum, da gäbs bessere Plätze.” (ich sag halt relativ oft blöde Sachen…)
Also bin ich mittlerweile froh, dass ich die Aktion nicht in der Nacht durchgezogen habe, weil sonst vielleicht plötzlich jemand mit dem Küchenmesser hinter mir gestanden wäre. Und ich verspreche Bilder, sollte daraus was werden.
Erstmal eines vorweg: Ich schreibe normalerweise relativ viel – für mich selbst, für die Arbeit und natürlich für den Blog, mit abgestufter Priorität in der genannten Reihenfolge. Dabei schaffe ich etwa 400 Zeichen die Minute im 10-Finger-System auf qwertz und merke, je nach Tagesform und Inhalt, dass sich in manchen Fällen die Finger aufgrund der teilweise sehr unüberlegten und vor allem unergonomischen Tastenbelegung in die Quere kommen und die häufigsten Buchstaben mit den schwächsten Fingern getippt werden, was ich mittlerweile als reale Limitation des Systems empfinde.
Als deshalb letzte Woche Chef vorbei kam, mir erst mal einen Rüffel erteilt hat, weil ich wieder mal (ungelogen das erste Mal seit einem Monat – Pech halt) erst gegen Mittag gekommen bin und er mich konsequenterweise um 11:30 Uhr nicht gefunden hat, dann aber den Vorschlag unterbreitet hat, ich könnte einen Teil meiner bisherigen Ergebnisse zusammenschreiben und mit impact 4,5 oder so als rapid communication veröffentlichen, habe ich erst mal “ja” gesagt und mir dann überlegt, dass das vielleicht ein guter Moment wäre, um auf Dvorak umzusteigen. Etwas schreiben zu müssen ist nämlich die beste Motivation für die notwendige Übung und die brauche ich im Moment auch, weil ich – mittlerweile gut eine Woche nach dem Wechsel – unter etwas Konzentration immer noch nur knapp über 100 Zeichen die Minute komme.
Ich stinke also im Tippen, habe gut zu tun und damit zwei angemessene Gründe für die Latenz zwischen meinen Artikeln. Ich entschuldige mich trotzdem für die Pause, weil ich ja nicht als unnetter Mensch gelten will.
Ich fahre auf zwei Rädern, seit ich denken kann. Den ersten Motor hatte ich mit 13 in den Ferien in Ungarn zwischen den Beinen, mit 15 hab ich mir hier und da das Schönwettermofa meiner Eltern “geborgt”, das ich dann, zusammen mit dem Mopedführerschein, zum 16. Geburtstag geschenkt bekommen habe.
Das Ding hat mittlerweile einmal die Runde durch meine Familie gemacht, wurde auf jede Seite mehrmals umgeworfen, stillgelegt weil zu schnell, neu zugelassen, wieder schnell gemacht und bis letztes Jahr, mangels Alternativen, wieder von mir gefahren. Mittlerweile leidet sie etwas an Altersschwäche, aber für ein “50″ccm Moped ist sie ein ziemlicher Methusalem und, wie empirisch gezeigt, unkaputtbar.
Mit 18 kam dann im Frühling der Auto- und Motorradführerschein, und als nach zwei oder drei Monaten der Zauber des Neuen verflogen war, habe ich meine Meinung zum Automobil als luftverpestenden, trägen, teuren Bürgerkäfig wieder aufgegriffen. Ich habe mir also stattdessen eine kleine Reiseenduro gekauft und dabei gleich eine wertvolle Lektion fürs Leben gelernt: Es gibt nur wenige Dinge, die man sich in einem entwickelten Land selbst legal antun darf und dümmer sind, als sich ein Neufahrzeug zu kaufen.
Wenn das Geld jedoch erfolgreich verbrannt ist und man den Wertverlust gekonnt ignoriert, kann man mit so einer Maschine durchaus seinen Spaß haben, bis man im Sommer 2008 von einer 20-jährigen im Polo ihrer Eltern, sie und ihre drei Freunde im Dirndl bzw. Lederhose und man selbst zum Glück in Motorradjacke und Handschuhen, übersehen und totalkaputtiert wird. Ein häufiges Szenario, das auch mir in ähnlichen Form widerfahren ist.
2010 habe ich mir dann, größtenteils aus einer Laune heraus, um mir selbst zu beweisen, dass ich endlich mit den großen Kindern spielen kann und um hier und da mal eine Kiste Bie…Wasser vom Real zu holen, meinen Beamer gekauft. Versteht mich nicht falsch, ich mag meinen Wagen und das Gefühl der Erhabenheit, zu wissen, dass ich, wenn ich an einem Twingo, Ka oder sonstigem Kleinwagen vorbeifahre, für meine 210 oder so PS mit guter Wahrscheinlichkeit weniger bezahlt habe als die fette Trulla mit ihrem hässlichen Kind am Rücksitz und ja, ich inkludiere Instandhaltungskosten.
Was ich daran nicht mag ist die Tatsache, dass mein Auto ein Auto ist. Ich könnte jetzt sagen, dass mich der Verkäufer beschissen hat, aber leider hat er mich darauf tatsächlich hingewiesen, als er auf meine Frage “Das ist also das Auto?” mit ja geantwortet hat. Ich schleppe also 2 Tonnen Stahl mit mir herum, brauche in der Stadt 15 Liter Super, bin 5 Meter lang und verbringe nutzlose Stunden mit Saugen und Wachsen. Ok, der letzte Teil ist gelogen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass hier und da mal 200 km/h im T-shirt das ganze träge Herumgewarte, Parkplatzgesuche und Aufgetanke nicht wert sind. Aus diesem Grund bin ich die letzte Zeit über auch relativ viel mit dem Fahrrad gefahren, was in einer Stadt wie Bayreuth an sich kein Problem wäre, wenn es so etwas wie Radwege gäbe.
Egal – hier die große Erkenntnis, die ich aus meiner “Auto am Parkplatz und Fahrrad unterm Hintern”-Periode gewonnen habe:
Vielleicht ändere ich meine Meinung über das Auto in Zukunft irgendwann, entweder, weil ich nicht mehr die physischen Kapazitäten habe, mein eigenes Körpergewicht zu bewegen, eine Wasserallergie entwickle und deshalb bei Regen zwangsweise überdacht sein muss, oder mir jemand einen Klotz ans Bein bindet, den ich überall hin bewegen muss. Bis dahin betrachte ich Autos als das, was sie sind: Der Grund, warum seit nicht mal 100 Jahren die Welt in den Arsch hinein geht und die Leute ab ihrem 18. Geburtstag faul, fett und hässlich werden.
Das, meine Herren, nennt man heucheln und Sie befinden sich in Gegenwart eines Großmeisters. Zusätzliches Lob ist deshalb nicht nötig.
Mit dem Geld, das ich mir also gespart habe, indem ich statt Benzin etwa 15 kg Popospeck verbrannt habe, wollte ich mir deshalb was kaufen, mit dem man schön Benzin verbrennen kann. Und weil’s noch nicht paradox genug ist, hab ich 1.: im Oktober mit der Suche angefangen und 2.: mein Hauptaugenmerk auf das Modell “dicker, alter Mann” gerichtet. Im Klartext heißt das, dass ich kurz vor der Winterpause ein garagengepflegtes, übermotorisiertes alte-Leute-Spielzeug abgestaubt habe, das sich fährt wie ein Wölkchen und, dank des 100% regelkonformen Auspuffes, in etwa so klingt wie eine V1 (“big pipes prevent accidents”).
Klar, sie hat ihre Schrammen und ist schon mal gelegen, aber wenn man bedenkt, dass sie nicht sehr viel mehr gekostet hat wie Mofa #1, dann lernt man ihre Hässlichkeit zu schätzen. Das Ende der Saison hat den Preis zusätzlich gut gedrückt, weshalb ich jedem anderen auch empfehle, nicht vor September mit der Suche nach einer neuen Eierfeile zu beginnen. Außerdem gilt: Rost ist gut, aber natürlich nur, wenn das Ding einen Alurahmen hat.
Ich habe mich also für gut drei Monate auf das erste warme Wetter gefreut. Nicht, dass ich nicht schon seit 1. März damit unterwegs bin, aber die Reifen brauchen etwa 10-15 °C Bodentemperatur, sonst halten sie nichts. Und als es deshalb heute Mor…Mittag 18 °C hatte, war der Muskelkater von den gestrigen 17 km Halbmarathonvorbereitung schnell vergessen. Rein in die Lederkombi (ja. ich habe Motorradkleidung. ich werde alt…) und auf nach Cheb, weil ich schon immer mal wissen wollte, ob an der Grenze wirklich Nutten rum stehen.
Und weil ich seit Weihnachten ein Gscheittelefon besitze, hab ich seit der Tankstelle in Eger deshalb auch (downloadbare) Telemetrie bis zu dem Punkt, als der GPS-Logger aus irgendeinem Grund gecrasht ist:
Und weil ich natürlich nichts besseres zu tun habe, als anzugeben, hier natürlich der Plot der Geschwindigeit gegen den Weg. Jetzt muss ich nur noch die Knie auf den Boden bringen, aber dafür habe ich noch ein paar Monate Zeit.
Alles in allem war das ein schön verbrachter Samstag Nachmittag und ich bin froh, dass ich das Mofa endlich mal ausfahren konnte. Mir ist die Sinnbefreitheit solcher Aktionen durchaus bewusst und ich verachte jeden, der abgedroschene Floskeln im Sinne von “Freiheit auf zwei Rädern” sekretiert, aber eine schön gefahrene Linie und ein kratzender Fußraster im Kreisverkehr bieten eine gewisse Form von Genugtuung, das ist unbestreitbar.
Außerdem kann man sich seinen Teil denken, wenn mal wieder Anerkennung dafür gefordert wird, einen 300 PS starken Mietwagen in soundso wenig Stunden auf der linken Spur von A nach B geprügelt zu haben. Ich habe heute geschwitzt, stinke nach Benzin und Kettenspray und wette, dass ich mehr Spaß daran hatte als es in jeder Form von leistbarem Kraftwagen möglich ist (Pausen an der tschechischen Grenze ausgenommen).
Egal; nicken und lächeln. Nicken und lächeln…
Es ist schon eigenartig, wie oft ich meine Artikel mit “Wieder mal nichts passiert” beginne. Aber leider ist das nun einmal die Realität, sobald man den Rubikon in die “freie “ Welt überschritten hat: Sobald du zum ersten Mal für etwas Geld bekommst, stellst du fest, wie sehr sich die Gesellschaft in den letzten 150 oder so Jahren zu einem Zwangsarbeitslager entwickelt hat, in dem du entweder von 8 bis 5 deine Klappe hältst und irgendeiner sinnlosen Beschäftigungstherapie namens Beruf nachgehst, oder als Alternative eben mit den Konsequenzen lebst – in Europa sind das Spott, Häme und abwertendes “diese Arbeitslosen”-Geschwätz von Leuten die sich selbst für die Guten halten, aber glücklicherweise bekommt man fast überall genug Arbeitslosengeld, um nicht obdachlos zu werden.
Anderswo könnte man in Anbetracht dieser Zustände ja sogar anfangen, etwas ändern zu wollen.
Egal auf welcher Seite der Rechnung man steht: Nach 80 Jahren sinnloser Ressourcenverschwendung, manchmal mehr, manchmal weniger, benutzt dich ein übel gesinnter Oberwärter für seine Zielübungen und beendet die Misere für dich. Und seien wir uns doch mal ehrlich, die Chance, dass man in so einer Umgebung etwas besseres mit seinem Leben anzufangen schafft, als Kinder in die Welt zu setzen, denen es nachher genauso gehen wird, ist nicht der Rede wert.
Also feiern wir uns selbst. Frönen wir des Hedonismus, genießen wir die Welt, indem wir in den Tag hinein leben und das bisschen Hirn, das uns als Menschlein mitgegeben wurde, dazu nutzen, die Welt um uns herum zu verstehen
(So versuche ich es zumindest; manche Leute bekommen vom Nachdenken halt Kopfschmerzen, und irgenwer muss den ganzen Scheiß doch kaufen, also eine kurze Runde Applaus an die Ignorantenfraktion: Ihr seid auch wichtig!).
Leider verliere ich dabei manchmal ein bisschen den Überblick. Ich bin zum Beispiel vor ein paar Wochen 25 Jahre alt geworden und konnte keinen Grund finden, das in irgendeiner Weise mehr zu feiern als jeden anderen Tag. Und wenn du mich fragst, wie alt ich denn bin, dann muss ich manchmal für eine ehrliche Sekunde oder zwei überlegen, weil ich mit 23 aufgehört habe zu zählen und es in dem Moment einfach wirklich nicht weiß.
Manchmal ist es deshalb ganz gut, Fixpunkte zu definieren, anhand derer man sich ein Jahr später mit sich selbst vergleichen kann (wenn auch nicht immer freiwillig), weil man dadurch ein Gespür für die Zeit bekommt. Nachdem ich also an einer Universität angestellt bin und auch meine Stipendienbezahler von mir wollen, dass ich mich im “üblichen Maß an der Lehre beteilige”, werde ich zweimal im Jahr darum gebeten, jeweils einen Versuch in den beiden von uns angebotenen Praktika zu betreuen.
Konkret bedeutet so ein Praktikum für den ganzen Lehrstuhl, die Laborarbeit für einige Wochen stillzulegen und für den jeweiligen Betreuer, dass er mehrere Tage hintereinander einer wechselnden Gruppe von sechs bis acht unmotivierten, jungen Leuten von Methoden erzählt, die wir an unserem Lehrstuhl hier und da so anwenden und deren Inhalt jedes Jahr, zumindest in meinem Fall, mit immer weniger Erfolg vermitteln wird (vermutlich mangels beidseitiger Begeisterung).
edit (ein Tag später oder so) – Hier ein Video, das in mir signifikant wiederholbar Assoziationen zu den Studenten in unseren Praktika auslöst:
Ich bin deshalb stolz darauf, verkünden zu können, dass ich die Todesspirale dieses Jahr erfolgreich unterbrochen habe. Die Studenten wirken – bis jetzt – motiviert und der Versuch selbst klappt auch einwandfrei. Ich habe Ahnung von dem, was ich tue und, was ganz besonders wichtig ist, ich habe sämtliche Puffer und Lösungen unter saubersten Bedingungen neu angesetzt, weshalb ich jetzt mit absoluter Sicherheit davon ausgehen kann, dass, wenn denn doch einmal ein Team scheitern sollte, es an deren Unfähigkeit gelegen hat und nicht an meiner.
Außerdem habe ich aufgehört, nett zu sein. Es lohnt sich einfach nicht.
Ich bin zwar nicht aktiv Arschloch, soll heißen, dass ich nicht versuche, mich sinnlos auf Basis des bisschen Autorität als Betreuer zu profilieren, aber ich habe aufgehört der Illusion nach zu rennen, dass ich noch in irgendeiner Weise wüsste, was im Kopf und Leben eines bayreuther Studenten so vor sich geht und stattdessen akzeptiert, dass ich nicht mehr die geheime Zutat besitze, um einer von ihnen zu sein.
Deshalb wird an so einem Kurstag ganz klar etabliert, dass ich von den Leuten verlange, dass sie ohne großes Nachdenken einen Dreisatz lösen können müssen und sich, wenn schon nicht für den jeweiligen Morgen, dann zumindest über die Mittagspause mit der Materie auseinandersetzen sollen – jawohl, ich werde euch dann abprüfen, irgendwo müssen die Noten ja herkommen.
Dass es sinnlos ist, die Musterprotokolle von vor zwei Jahren zu kopieren, weil sie vor Fehlern strotzen und ich letztes Jahr dafür nichts besseres als Dreien verteilt habe.
Dass ich auch um acht Uhr aufstehen musste.
Was dann zurückkommt ist komischerweise nicht das, was man erwarten würde. Die Leute sind interessierter, fragen mehr und gehen anders an die Problematik heran. Und vor allem haben sie das Gefühl, dass sie schon ein bisschen in der richtigen Welt sind, wo auch ein klares Ziel vorhanden ist und ein Satz von Methoden, um selbiges zu erreichen. Oh, wenn die wüssten…
Also wieder mal etwas gelernt: Keiner braucht coole Lehrer. Stattdessen sollte man ganz klar Grenzen schaffen, erklären, was man von ihnen erwartet, und in 90% der Fälle wird man das dann auch bekommen. An die ehemaligen Lehramtsstudenten: Ja, ich weiß, drei Tage über einem Masterstudenten etwas von reverser Transkription zu erzählen ist jetzt nicht die Höhe der Didaktik, aber anhand solcher Erfahrungen sehe ich nun mal, dass ich persönlich langsam etwas an Reife gewinne. Oder dass ich zumindest einen klareren Kopf habe als letztes Jahr, als ich zwei Wochen, nachdem ich das Rauchen aufgegeben habe, denselben Versuch betreuen musste…
Einen weiteren, globaleren Vorteil hat das Praktikum auch noch: In jedem Kurs gibt es eine Gruppe, die aufgrund ihrer kombinierten Charakterzüge als besonders negativ heraus sticht. Wir hatten bereits
Wir, also die betreuenden Doktoranden, führen deshalb eine Form von Casting des Anti-Praktikanten durch und diskutieren lang und breit, wer denn letztendlich für die Führungsrolle in Frage kommt. Und während wir also über die Praktikanten lästern, haben wir fast keine Zeit mehr, über die anderen Lehrstuhlinsassen herzuziehen.
Deshalb gilt, auch wenn’s ein Haufen Arbeit ist: So ein Praktikum zu betreuen ist eine hier und da durchaus willkommene Verschnaufspause für das soziale Gefüge in meiner Arbeitsstelle.
Abschließend also die Feststellung: Ihr außenstehenden Zuhörer könnt gar nicht begreifen, welche Macht das Mantra “scheiß Praktikum” in diesen wenigen Wochen für uns hat.
Hintergrund für jeden, der die vorigen Absätze nicht gelesen hat: Wenn (im Zuge des Praktikums) plötzlich beinahe doppelt so viele Leute über unseren Gang laufen wie sonst, finden sich auf beinahe jeder Ebene der Koexistenz neue, schwarze Schafe (wobei ich mittlerweile vermute, dass es sich in diesem speziellen Fall um einen Saboteur aus den eigenen Reihen handeln könnte).
Hier das Problem, graphisch aufgearbeitet. Man achte auf die feuchte Stelle direkt unter dem Süd-Pissoir unseres Stockwerks, welche teilweise beachtliche Flächen in Anspruch nimmt:
Anscheinend schafft es jemand beim Wasserlassen nicht, die unbegreifliche Distanz zwischen seinem Gemächt und dem Beginn der Keramik ohne das Versprühen von Körperflüssigkeiten in nicht erwünschte Richtungen zu überwinden. Als Träger von langen Hosen und Schnürsenkeln bin ich deshalb mittlerweile froh, wenn es draußen regnet, weil ich dann zumindest an der Herkunft der klammen Stellen in Bodennähe zweifeln kann.
Als mir dieser Zustand deshalb heute morgen zu widrig wurde, habe ich folgendes Zettelchen in Position gebracht.
Der Text darauf ließt sich wie folgt:
An den Bodenpisser:
Wenn dir die anatomischen Grundvoraussetzungen fehlen, um das Urinal zu treffen und nicht den Boden, dann sei doch so gut und setz dich auf die Schüssel wie das Mädchen, das du offensichtlich bist.
Ich gehe davon aus, dass ich rein auf Basis der Wortwahl und des Satzbaus am Lehrstuhl wohl mittlerweile als wahrscheinlichster Autor gehandelt werde, weshalb ich bei dieser Gelegenheit auch gleich die Verantwortung für die Diffamierung dieses vermutlich noblen, menschlichen Wesens übernehme und demnach auch die volle Schuld für etwaige Narben in der Seele der genannten Person eingestehe.
Solange er mir nicht mehr auf den Kloboden pisst, versteht sich.
Mal schaun, was denn so kommt, wenn man in der Google Bildersuche mit moderater SafeSearch den Begriff “Kirchensteuer Amt Hotel Bayreuth” eingibt:
Mit bestem Dank an Orschurchs “Pixxdump” für den Hinweis.
Wochenende heißt für mich, den Versuch zu unternehmen, Abstand vom Standard zu gewinnen und daran in der Regel zu scheitern. Letzte Woche aber war willkommenermaßen wieder mal was anders als sonst: Als ich am Samstag was Leckeres zum Essen beim Real kaufen wollte (haben zwar alles aber kostet das Doppelte) hatte ich ein Problem mit der Ortsveränderung aufgrund der gezeigten Straßensperre:
Die Straße war also “gesperrt” (mit dem Fahrrad kam man trotzdem gut durch), ein Gebäude, von dem ich weiß, dass vor zwei Monaten noch Schweißblitze hinter den Fenstern zu sehen waren, hat keine ganze Glasscheibe mehr und ein Teil vom Dach ist auch weggebrochen. Man könnte jetzt traurig sein darüber, aber das war ein metallverarbeitender Betrieb mit dem zugehörigen Gestank, den ich auch bei mir zu Hause gerne mal gerochen habe. Am besten bei 35°C, wenn man die Wahl hat zwischen Nicht-Frischluft (draußen) und Wohnklo-Dunst (…).
Also bin ich deswegen relativ neugierig in die Annalen der Stadt Bayreuth eingetaucht und habe versucht herauszufinden, was denn letztendlich da los war. Und Nachrichten holt man sich ja bekanntlich am besten an der Quelle. Soso, Brand aus ungeklärter Ursache, Straße gesperrt wegen gefrorenem Löschwasser. Langweilig…
Wenn die Stadt etwas wie eine eigene Zeitung hätte und nicht bloß Methoden zur Verteilung von Werbung und Klickstrecken, dann hätte ich vielleicht zum adäquateren Gegenstück gegriffen. Wenn ich allerdings über regionale Sachen Bescheid wissen will, wie den Typen, der im Sommer vor meiner Wohnung eine Herzmassage gekriegt hat, als ich gerade vom Lidl gekommen bin (hat überlebt, weil er beim Herzinfarkt im Auto saß und dabei eine Ampel umgefahren hat, sodass gleich jemand den Notarzt gerufen hat), dann gehe ich zur Pressestelle des oberfränkischen Polizeipräsidiums, die letztendlich das schreibt, was am Ende zwischen die Werbung kommt.
Und bei der Suche (bitte, bitte, liebe Pressestelle – ordnet eure Suchergebnisse in Zukunft nach Datum) ist mir etwas anderes ins Auge gesprungen, über das ich mich schon wieder aufregen musste: Um Sylvester herum ging ein Video durchs Netz, das (selten dumm) mit genauer Angabe über den Ort Falkenstein die Explosion eines “5 kg-Böllers” zeigt.
Sogar in der Pressemitteilung stand, dass aufgrund des “großen Interesses” ermittelt wurde. Was natürlich vermuten lässt, dass die Ermittler wohl sonst nichts zu tun haben. Aber sehen wir uns das mal genauer an:
In so ziemlich jedem Absatz dieses Artikelchens ist ein Häufchen Bullshit zu finden – man merke: Das kommt direkt von der Pressestelle.
Mein Ziel hier ist es, ein Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, das jenem entspricht, welches ich derzeit von den Beschützern unserer gesellschaftlichen Werte mit mir herum trage. Es ist deshalb stark subjektiv, weshalb ich leicht zu beeinflussende Leute bitte, die potentielle Agenda dahinter zu sehen und zu verstehen, dass SELBER DENKEN nicht weh tut. Deshalb dieser Absatz.
(…) einige von ihnen sahen allerdings auch die Gefährlichkeit in dieser Szene und informierten die Polizei. (…)
Das ist nobel – zumindest schaut die Falkensteiner Polizei nicht selber YouTube. Nachdem später klar wird, dass kein Schaden entstanden ist, wurde also nur aufgrund des (der?) Hinweise(s) ermittelt. Ein Hinweis ist allerdings keine Anzeige und kann von den Herren (und weiblichen Polizisten – “Polizistin” klingt scheiße) an der Wache auch ignoriert werden. Aber wenn schon mit wenig Arbeit großes Auf-/Ansehen erlangt werden kann – wieso nicht?
(…) Nach umfangreichen Nachforschungen konnte nun ein 15Jähriger aus dem Landkreis ermittelt werden (…)
Ja, klar. YouTube gehört Google und die sind zwar nett, wenn’s um das Recht des jeweiligen Landes geht, aber in Deutschland wollen sie, meines Wissens nach, mindestens einen Brief vom zuständigen Staatsanwalt, um irgendwelche Daten herauszugeben. Das heißt, dass die Falkensteiner Polizei schon mal zur Staatskanzlei in Cham musste, von dort hatten sie dann wohl zumindest die IP vom Uploader des Videos, die musste dann bei der Telekom zugeordnet werden, und der Uploader-Bursch musste dann erzählen, wer denn wohl den Böller gezündet hat.
Oder sie sind in ihrer 3241-Einwohner-Stadt herumgefahren und haben bei den Eltern der pubertierenden Klassen gefragt, wer das denn gewesen sein könnte. Mein persönliches Kopfkino lässt Material für einen zweieinhalb-Stunden-Krimi erwarten.
(…) der zugab, den Sprengstoff auf einem Vietnamesenmarkt in Tschechien 10 Tage zuvor gekauft (…) zu haben (…)
Also haben wir (oder werden in Kürze) etabliert, dass das Große Interesse Der Gesellschaft ein Imperativ zur Maßnahmenergreifung war. Ganz supitoll ist es natürlich, den Groß Interessierten Leuten zu erklären, wie man sowas denn selber basteln kann. Mal schaun – der nächste Vietnamesenmarkt in Tschechien von mir aus ist wohl in Cheb – gleich eine Zugkarte kaufen und dort Schwarzpulver besorgen, dann bau ich einen 10kg-Böller, dass die Leute schaun; weil ich schließlich schon 25 bin und das garantiert besser kann als der Typ auf YouTube.
(…) Bei dem Böller handelt es sich um ein in Deutschland nicht zugelassenes Sprengmittel (…)
Aus der Erfahrung von 30 min auf Wikipedia kann ich sagen, dass in Deutschland mittlerweile so ziemlich alles verboten ist, was mit stark negativer Enthalpie (= unter Wärmeentwicklung) reagiert und nicht Benzin ist. Das ist der Fallout von ein oder zwei Schießereien in Schulen und populistischem Gutbürgertum der entsprechenden Parteien, die ja schließlich was vollbringen müssen, damit das Argument, die letzten Jahre über mit dem Daumen im Arsch regiert zu haben, bei der nächsten Wahl nicht aufkommt (“aber wir haben doch…”).
Was auf den 15-Jährigen jetzt zukommt ist deshalb eine Wolke aus Dummheit und Angst, die sich bis in die Legislative ausgebreitet hat und ihn wahrscheinlich in Zukunft davon abhalten wir, etwas besseres zu werden als ein Automechaniker (jawohl, studieren kann man nur mit sauberem Führungszeugnis).
(…) Mit einigen Sachbeschädigungen durch Sprengungen in der Nachjahrsnacht in der weiteren Umgebung von Falkenstein hatte der Jugendliche nichts zu tun. (…)
Hauptsache, wir haben den, der spektakulär war. Destruktiv allein ist ja langweilig. Pfft. Schon wieder bloß Vergewaltigung oder Mord, nicht mal mit viel Blut.
Aber wehe, du bist auf YouTube und einer meint, Da Müsse Man Ja Etwas Tun.
(…) Bleibt zu hoffen, dass dieser Fall auch für die weitere Zukunft nicht zur Nachahmung, sondern als Abschreckung dient! Silvester kommt auch dieses Jahr….
Also zusammengefasst: Ich kann etwas bauen, das nichts zerstört, Spaß macht und Aufsehen erregt, während die Anderen draußen dumme, alte Bierflaschen gegen die Autos werfen und geprüfte, zugelassene, deutsche Böller in die Briefkästen stecken. Aber weil jemand dämlich war und sagt, wo das denn passiert ist, muss ich mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren rechnen. Und weil sich 15-jährige auch so toll artikulieren können, wird der sicher nichts unnötiges ausgeplaudert haben, als ihm der Polizist mit “da werden Mami und Papi aber nicht stolz sein” gedroht hat.
Das war wohl schon immer so und wird auch immer so bleiben – man kann bloß schlimm finden, was man sieht, und schlimmer ist’s, wenn man’s auch noch nicht versteht. Und wenn man auf der anderen Seite steht, also nicht Gesellschaft, sondern Polizei, dann sucht man sich natürlich leichte Aufgaben. Das war also ein gefundenes Fressen für die beteiligten Beamten, und der “harte Aufwand” hat ihnen sicher ein paar süffisant erholsame Nächte eingebracht, wohlwissend, dass sie die Welt zu einem besseren Ort gemacht haben.
Schlussendlich ziehe ich also mein Fazit für den Fall, dass ich auch mal einen 5kg-Böller zünden will:
Again what learned.